Gewässerkunde und Fischhege Teil 2
Gewässerkunde Teil 1
Eutrophierung Normalerweise erfolgt die Nährstoffanreicherung (Eutrophierung) in Fließgewässern durch Auswaschungen aus den von Regen durchnässten Böden. In unseren Gewässern ist der Nährstoffgehalt jedoch durchweg überhöht. Das geschieht hauptsächlich durch die landwirtschaftlichen Abwässer, die in die Oberflächengewässer gelangen. Anfänglich sind mehrzellige Algen und höhere Unterwasserpflanzen in den Gewässern zu finden. Diese ziehen einen direkten Nutzen aus dem vorhandenen Nährstoffreichtum. Das pflanzliche Plankton trübt das Wasser und schränkt die Sichttiefe erheblich ein. Dadurch sind fruchtbare, stehende Gewässer gekennzeichnet. Erfolgt eine starke Überdüngung, können sich einzelne Schwebealgen massenhaft entwickeln und es entsteht eine starke Wassertrübung und –verfärbung. Dies bezeichnet man auch als „Wasserblüte“. Die untergetauchten höheren Wasserpflanzen erhalten kein Licht mehr und sterben ab. Den Fischen geht dadurch wichtiges Laichsubstrat verloren. Auch der Lebensraum für Jungfische ist nicht mehr vorhanden. Durch die auf den Grund gesunkenen abgestorbenen Algenmassen bildet sich eine umfangreiche Schlammablagerung.
Anfüttern in geschlossenen Ökosystemen Auch das Einbringen von Futtermitteln für Wasservögel und Fische trägt zu einer Grundbelastung unserer Gewässer bei. Deshalb sollte jeder zusätzliche Eintrag von Nährstoffen unterbleiben. Besonders in stehenden Gewässern hat die Verwendung von Anfuttermitteln langfristige Folgen. Die Nährstoffe bleiben über lange Zeit im Stoffwechselkreislauf des geschlossenen Ökosystems erhalten und tragen zu einer Eutrophierung mit unerwünschten Nebenerscheinungen wie Schlammbildung und Sauerstoffzehrung bei.
Entwicklung der Fische in nährstoffreichen Gewässern Weißfische und auch der Flussbarsch können sich in nährstoffreichen Gewässern besonders gut vermehren, denn sie stellen weder an das Laichsubstrat noch an die Wasserqualität besondere Ansprüche. Durch ihr massenhaftes Auftreten verdrängen sie jedoch die empfindlicheren spezialisierten Arten. Konkurrenzschwache Fischarten können sich daher nur in den selten gewordenen, nährstoffarmen Gewässern halten. Durch hohe Vermehrungsraten kann die Bestandsdichte anspruchsloser Fischarten schnell zunehmen. Sind die Nahrungsreserven eines Gewässers aber ausgebeutet, wachsen die Fische nicht mehr und werden früher geschlechtsreif. Dieser Prozess wird als „Verbuttung“ bezeichnet. Als geeignete Gegenmaßnahme kann versucht werden, diese Gewässer mit geeigneten Raubfischen zu besetzen. Aber den übermäßigen Bestand an Weißfischen vermögen sie alleine auch nicht zu regulieren. Das geschieht erst, wenn eine Verbesserung der Wasserqualität erreicht wird. Durch die Abnahme von Kleinfisch kann sich das tierische Plankton erholen. Das Wasser in den Seen der norddeutschen Tiefebene ist sehr nährstoffreich und häufig durch die Entwicklung pflanzlichen Planktons getrübt. Hier ist häufig der Zander anzutreffen. Da er am Ende der Nahrungskette steht, bezeichnet man solche Gewässer auch als „Zanderseen“.
Flach- und Kleingewässer Flachgewässer besitzen eine hohe Produktivität. Sie reichen mit bis zu 100 kg Fischertrag pro Hektar und Jahr an die Ertragsfähigkeit größerer Flüsse heran. Abgrabungsgewässer mit ca. 20 kg pro Hektar und Jahr sind dagegen verhältnismäßig unproduktiv. In Flachgewässern kann das Sonnenlicht bis zum Grund vordringen. Dadurch wird ein flächendeckendes Wachstum höherer Wasserpflanzen ermöglicht. Sie bilden dort dichte Bestände und können mit dem Plankton erfolgreich um die Nährstoffe konkurrieren. Das ist auch der Grund, warum nährstoffreiche Flachseen mitunter ganz klar sind. Auch aus fischereilicher Sicht sind diese Seen sehr interessant. Wegen der Leitfischarten Hecht und Schleie nennt man sie auch „Hecht-Schlei-See“. Schleien halten sich vorwiegend am Grund zwischen den Wasserpflanzen auf, wo sie nach wirbellosen Tieren suchen. Ihre versteckte Lebensweise bietet ihnen gleichzeitig Schutz vor dem Hecht, der gut getarnt zwischen den Wasserpflanzen lauert. Neben dem reichhaltigen Nahrungsangebot und auch die Zahl der Standplätze für Hechte von entscheidender Bedeutung. Daher sollte man den Hechtbestand nicht durch Besatzmaßnahmen beliebig steigern, sondern sich nach dem Strukturreichtum des Gewässers richten. Auch Weiher und Tümpel können ähnlich hohe Erträge wie Flachgewässer aufweisen. Weiher sind nicht tiefer als 2 Meter und führen das ganze Jahr über Wasser, deshalb trocknen sie auch nicht aus. Tümpel dagegen trocknen im Sommer sehr schnell aus. In kleinen Gewässern tritt Wasser- und Sauerstoffmangel besonders häufig auf. Im Winter, wenn der das Gewässer durch eine Eisschicht bedeckt ist, kann diese zum Erstickungstod der Tiere führen.
Ufer- und Wasserpflanzen Nicht nur im, auch am Wasser treffen wir viele Pflanzen an. Röhrichtpflanzen erkennt man sofort an den langen und festen Halmen. Ein bekannter Vertreter dieser Pflanzengesellschaft ist das Schilf. Auch der Rohrkolben und die Schwertlilie gehören dazu. Alle diese Pflanzen wurzeln in der Flachwasserzone, die ständig wasserbedeckt ist. Dieser Uferbereich ist für die wichtigen Kleintiere der Gewässer unter anderem durch ihre Unterschlupfmöglichkeiten von großer Bedeutung. Hier können bereits Unterwasserpflanzen und freischwimmende Schwimmblattpflanzen vorkommen. Sie wurzeln bis in eine Tiefe von ca. zwei Metern. Weil viele Schwimmblattpflanzen keinen Frost vertragen überwintern sie am Gewässergrund. Schwimmblätter von Teich- und Seerosen, Wassernuss und Froschbiss beschatten das Gewässer. Die Laichkräuter findet man in einer Tiefe bis zu 6 Metern. In tieferen Gewässern gibt es noch die sogenannten unterseeischen Wiesen. Sie besteht aus einer Gemeinschaft kleinwüchsiger höherer Wasserpflanzen und Algenarten. Unter bestimmten Voraussetzungen können Wasserpflanzen (z.B. die Kanadische Wasserpest) große Bestände bilden und somit die Nutzung der Gewässer auch für die Angelfischerei einschränken.
Gewässerstrukturen Heutzutage gibt es sogenannte Rekultivierungspläne, welche die Schaffung von ausgedehnten flachen Uferzonen, einer buchtenreichen Uferlinie sowie die Belassung von Inseln und die Anlage von Kleingewässern in unmittelbarer Nähe zum Hauptgewässer vorsehen. Für Amphibien, Vögel und auch für Fische sind diese Strukturen sehr wertvoll. Wenn das Gewässer diese Strukturen nicht aufweist, können einige Fischarten nur durch das Einbringen von Laichhilfen in ihrer Fortpflanzung unterstützt werden. Als Laichhilfe für Zander werden z.B. Reisigbündel oder auch Nadelbäume in flachen Gewässerbereichen versenkt. Alle Strukturen in Stillgewässern, wie z.B. untergetauchte Baumwurzeln, üben eine große Anziehungskraft auf Fische aus und bieten ihnen Nahrung und Schutz vor Räubern, wozu auch fischfressende Vögel (Kormoran, Fischreiher) gehören.
Besatzmaßnahmen Unter idealen Bedingungen pflanzen sich Fische in vielen Gewässern fort. Nur wenn die natürliche Fortpflanzung durch menschliche Eingriffe in das Gewässer beeinträchtigt ist, können die Fischbestände durch Besatzmaßnahmen unterstützt werden. Viele Flüsse sind zur Nutzung der Wasserkraft aufgestaut worden. Damit gingen auch die Laichgebiete für Flussfische verloren. Die Eindeichung und der geradlinige Ausbau von Flüssen verhindert eine Ausuferung, was zur Folge hat, dass die Flussauen mit ihren wertvollen Nebengewässern trocken fallen. Auf Flüssen und Kanälen herrscht oftmals starker Schiffsverkehr. Hier zerschlägt der Wellenschlag den im Uferbereich abgelegten Fischlaich und auch die eben schwimmfähige Fischbrut wird vernichtet. Unter allen diesen Voraussetzungen ist ein Fischbesatz gerechtfertigt. Oft waren es erst die Besatzmaßnahmen durch Fischereivereine, die das Überleben bestimmten Fischarten in Gewässern oder Gewässersystem überhaupt ermöglicht haben. Fischbesatz ist auch dann zu rechtfertigen, wenn die Bestände durch Umweltkatastrophen erloschen sind oder ursprünglich heimische, inzwischen jedoch ausgestorbene Fischarten wieder angesiedelt werden sollen. Ein einseitiger Besatz mit Fischen, der für den Angler sehr reizvoll ist, kann jedoch das biologische Gleichgewicht im Gewässer zerstören. So hat sich die aus Nordamerika kommende Regenbogenforelle gegenüber unserer heimischen Bachforelle durchgesetzt, weil sie, was die Wasserqualität und Strukturvielfalt betrifft, anspruchsloser ist. Dadurch, dass sich die Regenbogenforelle in einigen Gewässern schon auf natürliche Weise vermehrt, wird die heimische Bachforelle immer mehr verdrängt. Auch der Rückgang von Schleien in vielen Gewässern kann auf die hohe Bestandsdichte von Karpfen zurückzuführen sein. Wenn Besatzmaßnahmen durchgeführt werden, muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Fische frei von Parasiten und erkennbaren Krankheitserscheinungen sind. Auch sollte vorher noch einmal sorgfältig geprüft werden, ob nicht doch noch Reste des ehemaligen Bestandes an einer anderen Stelle im Gewässersystem überlebt haben. Wenn dies der Fall ist, sind vorrangig die Voraussetzungen für eine selbstständige Ausbreitung zu schaffen. Alle ausgesetzten Fische brauchen eine gewisse Eingewöhnungszeit und auch ausreichend Schutz. Besatzfischen fällt die Umstellung auf ein neues Gewässer leichter, wenn sie vor dem Aussetzen an die neuen Temperaturen gewöhnt werden. Junge Bachforellen und Lachse sollten in flach überströmenden Uferbereichen ausgesetzt werden. Hier haben sie die höchsten Überlebenschancen. Um Ausfälle durch Kannibalismus zu vermeiden, sollten Hechte gleichmäßig über die gesamte Uferlänge verteilt werden.
Fangstatistik Fangstatistiken liefern Informationen über den gegenwärtigen Fischbestand. Daher ist es wichtig, dass die Angler ihre Fangergebnisse sorgfältig dokumentieren. Neben Fangdatum und –ort sollen Angaben über die Art und das Gewicht bzw. die Länge des gefangenen Fisches gemacht werden. Für die Umrechnung von Längen- in Gewichtsangaben gibt es Tabellen. Auch die genaue Bestimmung der gefangenen Fische ist wichtig. Es reicht nicht aus sie in Sammelgruppen wie „Weißfische“ oder „Raubfische“ einzuteilen. Für den Gewässerwart sind auch deshalb Fangstatistiken wichtig und hilfreich, weil sie auch als Berechnungsgrundlage bei Schadensersatzforderungen herangezogen werden. Nur so kann im Schadensfall ein entsprechender Fangausfall und Neubesatz gegenüber dem Händler geltend gemacht werden. Gewässerverunreinigung, -gütebestimmung , -untersuchung und chemische Wasseranalyse Gewässerbelastungen mit biologisch abbaubaren Stoffen führen zu Sauerstoffmangel und der Entstehung von Fäulnisgiften. Dadurch können die im Gewässer lebenden Tiere und Pflanzen stark geschädigt oder völlig vernichtet werden. Organische, faulnisfähige Abwässer sind zwar nicht giftig für Fische, aber sie führen durch bakteriellen Abbau indirekt zu Sauerstoffmangel im Gewässer. Durch landwirtschaftliche Abwässer (z.B. Gülle) können Fische sogar ersticken. Falls es zu Umweltveränderungen im Gewässer kommt, haben Fische noch die besseren Chancen, denn sie haben die Möglichkeit (falls vorhanden) in Nebengewässer und Altarme zu fliehen. Je nach Empfindlichkeit der Arten stellen sich entsprechend der Belastung unterschiedliche Lebensgemeinschaften ein, die jeweils typisch sind für einen bestimmten Verschmutzungsgrad bzw. Grad der Selbstreinigung. Einige wirbellose Tiere, die der Abwasserwelle nicht ausweichen können, haben als Zeigearten für die Güte von Fließgewässern Bedeutung erlang. Die Zeigerarten dieser Lebensgemeinschaften nennt man Saprobien und fasst sie im Saprobiensystem zusammen. Der Saprobienwert wird errechnet und einer Gewässergüteklasse zugeordnet. Gewässer haben durchaus die Möglichkeit zur Selbstreinigung, denn mit zunehmender Entfernung von der Einleitungsstelle verbessert sich die Gewässergüte durch Verdünnung und den mikrobiellen Abbau der fäulnisfähigen Stoffe. Die biologische Gewässergütebestimmung ist durch eine DIN-Norm festgeschrieben (s. auch „Bericht des LUA NRW“)
Bericht des Landesumweltamtes (LUA) NRW Das LUA NRW ist bei der Gewässerüberwachung im Rahmen landesweiter, nationaler und internationaler Aufgaben maßgeblich beteiligt. Diese beinhalten landesweit die Untersuchung der Gewässergüte im westdeutschen Kanalnetz, der deutsch-niederländischen Grenzgewässer sowie zahlreiche Sonderuntersuchungen (z. B. Messung der Pestizidgehalte in ausgewählten, insbesondere landwirtschaftlich geprägten Gewässersystemen). Ergebnisse aus Untersuchungen an Rhein und Weser fließen in Auswertungen der deutschen und internationalen Rheinschutzkommission, der Arbeitsgemeinschaft zur Reinhaltung der Weser sowie EU-weite Umweltprogramme ein. Zusätzlich zu den Untersuchungen der Wasserproben und den darin mitgeführten Schwebstoffen ist das LUA NRW auch landesweit für die Überwachung der Flusssedimente zuständig. Viele in Wasser schwerlösliche Schadstoffe, vor allem Schwermetalle und schwerflüchtige chlororganische Verbindungen, reichern sich im Sediment an und werden dort über lange Zeit gespeichert. Dieses „Gedächtnis der Flüsse" ist ein guter Indikator für den langfristigen Trend von Gewässerbelastungen. Daneben werden in den Fischereidezernaten der Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten / Landesamt für Agrarordnung (LÖBF/LAfAO) Akkumulationsuntersuchungen an Fischen durchgeführt, bei denen festgestellt wird, welche Schadstoffe sich in welchem Ausmaß in den Fischen angereichert haben. Aus den Ergebnissen lässt sich das langfristige Gefährdungspotential von Stoffen abschätzen. Darüber hinaus lassen sich Empfehlungen zur Verzehrsfähigkeit von Fischen ableiten. Das Landesumweltamt NRW gibt alle fünf Jahre den Gewässergütebericht mit der Gewässergütekarte heraus. Der Bericht erläutert zugleich die Veränderungen der Gewässerbelastung, die aus Abwassereinleitungen und aus dem Eintrag von Nähr- und Schadstoffen aus der Umgebung resultieren. Als wichtiges Instrument wasserwirtschaftlichen Handelns zeigen Gewässergütebericht und -karte die Sanierungserfolge und den noch bestehenden Handlungsbedarf in der Abwasserbeseitigung auf. Im Rahmen der Gewässerüberwachung des Landes wird die biologische Gewässergüteklasse flächendeckend an rund 3.500 Messstellen ermittelt. Die Gütekarte stellt vor allem solche Gewässer dar, die erkennbar belastet sind oder gezielten Nutzungen unterliegen. Die Gewässergüteklasse gibt den Belastungszustand mittels einer 7-stufigen Skala von I bis IV an. In der Karte sind die Güteklassen der untersuchten Gewässerabschnitte als farbiges Band dargestellt. Bericht und Karte dokumentieren die Güte unserer Fließgewässer auf der Grundlage biologisch-ökologischer und ergänzender chemisch-physikalischer Untersuchungen. Die Gewässergütekarte stellt die Gewässergüte unserer Fließgewässer (in NRW) auf der Grundlage biologisch-ökologischer Untersuchungen dar. Beurteilt wird die Beeinträchtigung der Lebensgemeinschaften durch Abwassereinleitungen und den Eintrag von Nähr- und Schadstoffen aus der Umgebung. Ergänzt werden die Untersuchungen durch die Erfassung chemischer Kenngrößen wie Sauerstoffgehalt, Sauerstoffzehrung, Gehalt an Ammoniumstickstoff, pH-Wert etc., die den allgemeinen Belastungszustand des Gewässers kennzeichnen.
Gründe für Fischsterben und Verhalten bei Fischsterben „Im Rhein gibt es wieder Lachse", solche Schlagzeilen lassen uns hoffen. Unsere Flüsse sind heute sauberer als noch vor 20 oder 30 Jahren. Trotzdem sind viele Fische, von denen es früher nur so wimmelte (wie Stör, Maifisch, Barbe oder Neunauge) in Europa weitgehend ausgestorben. Selbst teure Wiederansiedlungs-Versuche blieben erfolglos. Und es sind noch weitere Fischarten bedroht. Bedroht deshalb, weil sie kaum Überlebenschancen haben, solange sie auf ihren Wanderungen die, vermeintlich so umweltfreundlichen, Wasserkraftwerke überwinden müssen. Diese versperren den Fischen jedoch den Weg und die Turbinen reißen sie in Stücke. Fast jeder 3. Fisch ist heute davon betroffen. Aber nicht nur in Deutschland, in ganz Europa ist die Gewinnung der Wasserkraft regelrecht verantwortlich für ein Fischsterben. Die inzwischen fast überall installierten Fischtreppen sind jedoch nur für die Wanderung flussaufwärts ziehender Fische geeignet, für die flussabwärts ziehenden gibt es meistens keine. Fische sterben nicht nur durch Wasserkraftwerke, Sauerstoffmangel oder Verunreinigung der Gewässer. Sie gehen auch oft an einer Krankheit ein. Diese befällt meistens nur eine einzige oder wenige, nahe verwandte Fischarten. Eine begrenzte Anzahl verendet über einen längeren Zeitraum und wenn der Bestand so ausgedünnt ist, dass keine weitere Ansteckung mehr erfolgen kann, kommt die Seuche zum Erliegen. Wenn krankheitsverdächtige oder gar tote Fische gesehen werden, sollten der Gewässerwart oder der Fischereiaufseher informiert werden. Bis sie an die Untersuchungsstelle weitergegeben werden können, müssen die toten Fische gekühlt aufbewahrt werden. Für die Untersuchung ist der Fischgesundheitsdienst der LÖBF NRW zuständig. (Adresse: Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten NRW, Fischgesundheitsdienst, Heinsberger Str. 53, 57399 Kirchhundem-Albaum, Tel. 02723/ 779-0, Fax. 02723/ 779-77). Eine Gegenmaßnahme durch medikamentöse Behandlung ist jedoch nur in Teichwirtschaften möglich. Meistens erholt sich der Fischbestand jedoch schnell von den Folgen einer Krankheit und größere Ertragseinbußen sind für die Fischereivereine kaum zu erwarten. Durch Gewässerverschmutzungen können jedoch alle im Gewässer vorkommenden Fische innerhalb einer kurzen zeit vernichtet werden. Bemerkt man Gewässerverschmutzungen wie Verfärbungen, Schaum- oder Geruchsbildung, sollten dies (auch wenn man keine toten Fische sichtet) sofort dem Gewässerwart oder Fischereiaufseher gemeldet werden. Verendete Fische sind in den meisten Fällen jedoch oft der erste und auch einzige sichtbare Beweis für derartige Vorfälle. Sollte ein derartiges Fischsterben bemerkt werden, sind sogleich die Polizei und das Ordnungsamt zu benachrichtigen sowie Wasserproben von je 1 Liter zu entnehmen. Die Wasserproben sind direkt aus der verdächtigen Einleitung sowie von ober- und unterhalb der Einleitungsstelle zu entnehmen. Die Probe wird dazu in eine saubere Plastik- oder Glasflasche (ohne Spülmittelreste!) abgefüllt. Sie dient zur Ermittlung der Ursache und Verursacher eines Fischsterbens. Auch diese Proben müssen im Kühlschrank aufbewahrt werden, um die Abbau- und Umsetzungsvorgänge zu verlangsamen. Jede Wasserprobe ist mit Angaben zum Gewässer und zur Entnahmestelle sowie mit Datum und Uhrzeit der Probeentnahme zu versehen! Auch Name, Adresse und die Telefonnummer des Probenehmers sind mitzuteilen. Um eine weitere Belastung des Gewässers und auch die Belästigung der Bevölkerung zu vermeiden, sollten die Fischkadaver aus dem Gewässer entfernt werden. Fische, die durch Krankheiten oder durch Gewässerverschmutzungen verendet sind, sind für Menschen und Tiere ungenießbar.
Gewässerkunde Teil 1
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